Einen korrekten und vorbildlichen Lifestyle auf Instagram und Co. zu präsentieren, diesen aber nicht leben – das versteht man wohl unter Doppelmoral. Ich allerdings nicht unbedingt.

Vor kurzem sprach ich mich mit meiner Freundin Sarah über dieses Thema: Sie erzählte mir wie sie in einer Instagram Story darauf aufmerksam machte, dass es wichtig sei, achtsam einzukaufen: “Bitte kauft nicht wild drauf los, wenn euch Influencer etwas präsentieren. Denkt vorher genau darüber nach, ob ihr es braucht”. Obwohl sie Gewinnspiele macht und hin und wieder auch Kooperationen eingeht. Ich fand das großartig. Genau meine Meinung. Jeder sollte seinen Konsum überdenken, anstatt blindlinks drauf los zu shoppen. Umso besser, wenn Menschen mit einer großen Reichweite solche Botschaften nach Außen tragen. Sie hatte nur positive Reaktionen auf diese Ansage. Schön und gut. Leider bekam sie auch eine Nachricht von einer Instergrammerin, die erzählte, dass sie ebenfalls solche Statements in Ihren Storys veröffentlichte und negative Rückmeldungen darauf bekam. Ihr wurde Doppelmoral vorgeworfen und noch so einiges mehr.

Nicht nur über Influencer wird gelästert. Ich habe schon öfter mitbekommen, wie Menschen über dieses Thema sprechen: “Sie meint, sie kauft kein Plastik mehr ein, geht dann aber bei H&M shoppen, pffhh.” – “Er hat gesagt, er sei Vegetarier, hat aber in der Mittagspause Wurst gegessen.” – “Sie lässt nur die Feministin raushängen, wenn es ihr grade passt.” – “Er hat letztens erzählt, dass er weniger Auto fahren will der Umwelt zuliebe, fährt aber trotzdem ständig mit dem Auto rum.” Solche verurteilenden Sätze lese und höre ich gar nicht so selten. Erst letztens habe ich über bewusste Lebensweisen und Doppelmoral einen Blogbeitrag gelesen. In diesem schreibt die Bloggerin, wie sehr es ihr auf die Nerven geht, dass Menschen ihre Doppelmoral auf Instagram und Co. verbreiten. Die Authentizität dieser Menschen ginge verloren, wenn Sie das präsentierte nicht zu hundert Prozent leben. Was für Heuchler! Sie hat sich richtig ausgekotzt.

Ganz oder gar nicht?

Woher kommt dieser ganze Hass, Anschuldigungen über Doppelmoral und Scheinheiligkeit? Wieso legen so viele Menschen diese Situation als negativ aus, à la ganz-oder-gar-nicht? Ich verstehe zwar, dass grade Infuencer sich auf sehr dünnem Eis bewegen und Ihre Authentizität wahren müssen. Da ist es nicht förderlich zu erzählen, wie sehr man ein Herz für die Umwelt hat, dann aber mit Einmal-Plastikbechern zu posen. Das sieht einfach nicht gut aus. Ich bevorzuge dennoch die andere Sichtweise.

Themen wie Nachhaltigkeit (Klimaschutz), Solidarität, Minimalismus, Fleischkonsum und Co. werden immer wichtiger. Weil diese derzeit im Trend sind, springen viele auf diesen Zug auf. Wenn etwas “in” ist möchte man ein Teil davon sein. Und ganz ehrlich, das ist okay. Vor allem wenn dieser Trend in die richtige Richtung geht. Hoffentich nicht nur ein Trend. Aber alleine ein Bewusstsein für solche Dinge zu bekommen, ist schon gold Wert. Und ob authentisch oder nicht – dass immer mehr Menschen darauf aufmerksam gemacht werden, ist doch super. Wieso muss man den Menschen denn vorhalten, dass sie etwas nicht zu hundert Prozent durchziehen? Allein der Wille ist schon ein erster Schritt nach vorne, oder nicht?

Mein Appell: Nachsicht und Selbstreflexion

Liebe Leute, bitte hört auf zu verurteilen und zu lästern. Ich weiß, das ist leichter gesagt als getan. Auch ich habe damit hin und wieder zu kämpfen. Aber weil ich weiß, dass so etwas nicht förderlich für mich selbst und mein Umfeld ist, entscheide ich mich dagegen. Seht es doch mal so: Niemand ist unfehlbar, auch ihr nicht. Packt euch an die eigene Nase. Wenn ihr mitbekommt wie jemand Baby Steps macht, hört auf sie zu verurteilen und denkt darüber nach, wo ihr eigentlich steht. Im Endeffekt sollte es nämlich nicht darum gehen, was andere falsch machen, sondern was man selbst richtig machen kann.