Heute bin ich mal wieder über Musik gestolpert die ich selten höre, schon ewig kenne und wahrscheinlich für immer gut finden werde. Die Band Wir sind Helden fand ich schon immer toll. Meiner Meinung nach ist es außerhalb vom deutschen Rap extrem schwierig, die deutsche Sprache in Musik zu verpacken. Alles klingt in meinen Ohren entweder abgedroschen, pseudo intellektuell oder irgendwie unharmonisch. Vor allem im Singer-Songwriter Bereich. Das geht gar nicht. So als würde man einen echt schlechten Poetry-Slam mit noch viel schlechterer Musik auslegen. Mit deutscher Musik außerhalb vom HipHop kann man mich nur extrem schwer catchen. Wir sind Helden haben mich gecatcht, schon von Anfang an. Die Stimme, die Texte und die Musik.

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Herzzereißend und wunderschön

Ich habe heute, wie schon gesagt, nach verhältnismäßig längerer Zeit Mal wieder Wir sind Helden gehört. Eigentlich war ein ganz normaler Tag. Alltag. Mir ging es weder schlecht noch gut. Aufstehen, Kaffee, Sonne, Bildschirm, Bildschirm, Pause, Bildschirm, Heim, … An einem Lied bin ich dann hängen geblieben: Kaputt. Immer wieder wenn ich das höre, rührt es mich extrem. Ganz viel Liebe in diesem Lied und Hoffnung und ganz viel Schmerz. Herzzereißend und wunderschön. Und dann musste ich auf einmal sehr weinen, weil ich etwas verstanden habe. Etwas, was mir bisher einfach nicht aufgefallen ist.

“Dein Vater ist kaputt, aber du bist es nicht. Zerbeult und verbogen und vielleicht nicht ganz dicht. Aber irgendwo darunter bist du seltsam ok, beinahe unversehrt, unter allem was weh tut.”

“Und ich weiß du willst helfen, ich weiß du grämst dich, ich weiß du willst abhau’n und ich weiß du schämst dich”

Kaputt, 1. Strophe

Ich hab das erste Mal verstanden, worum es hier eigentlich genau geht. Es ist ein Lied für ein Kind. Ein Kind dessen Eltern sich scheiden lassen. Vielleicht war das für diejenigen, die sich das Lied schon öfter genau angehört haben offensichtlich – mich hat es vorhin einfach wie ein Schlag getroffen und dementsprechend war auch die Reaktion. Ich konnte es auf einmal so sehr fühlen, dass es mich für den Moment gebrochen hat.

“Deine Mutter ist kaputt, aber du bist es nicht, du trägst die selben Verbände, Schicht über Schicht, aber irgendwo darunter bist du längst schon verheilt, du hast viel zu lang ihre Wunden geteilt.”

“Ich weiß du willst helfen, aber weißt nicht wie, ich weiß, du willst abhau’n, das könntest du nie”

Kaputt, 2.Strophe

An die Mamas und Papas

Vielleicht könnte man sagen, dass es zu dramatisch ausgedrückt ist, wenn ich sage, dass die Trennung der Eltern eines der traumatischsten Erlebnisse ist, welches einem Kind in einer mitteleuropäischen Standard Familie passieren kann. Unvorstellbar für Erwachsene was Ihre Kinder in einer solchen Phase durch machen. Sie tragen den Schmerz der Eltern und ihren eigenen Schmerz und sind meistens noch zu klein, um verstehen zu können, warum das passiert, oder auch, um ganz einfach Abstand von dem ganzen Mist zu nehmen. Alles liegt in Trümmern, alles ist kaputt und du willst deiner Mama und deinem Papa helfen, oder flüchten, oder beides und kannst weder das eine noch das andere. So etwas prägt und verfolgt. Es macht einsam und unglücklich.

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Natürlich geht jeder Mensch anders mit einer solchen Situation um und auch nicht jede Trennung oder Scheidung verläuft gleich. Ich als Scheidungskind kann den lieben Eltern da draußen nur ganz laut zurufen: Mama und Papa! Passt auf eure Kinder auf! Nehmt sie vor diesem Unheil in Schutz so gut ihr nur könnt. Sie haben eine riesige Gefühlswelt und sind noch ganz klein und weich! Sie haben noch keinen Panzer von Zynismus und Oberflächlichkeit aufgebaut. Sie müssen sich unbedingt bei euch geborgen fühlen, Mama und Papa, bei den Menschen, von denen Sie am meisten abhängig sind. Bitte seid ganz besonders Vorsichtig in Zeiten, in denen es mit euch nicht so gut läuft. Auch wenn ihr euch trennen solltet, nehmt euer Kind mindestens 10 Mal mehr am Tag in den Arm und sagt ihm oder ihr: Wir haben dich lieb und wir passen immer auf dich auf.